Dexter & Maniac – Raw Shit

Dexter & Maniac - Raw Shit

Seit den Heidelberger Anfangstagen hat sich die deutsche Rapszene stark verändert. Zum Glück. Wir schreiben 2010. Deutschrap packt die Klampfe aus. Dexter und Maniac kümmern sich nicht um den neuesten Trend. Sie machen gradlinigen Rap. Zum Glück. Als sie sich vor etwa einem Jahr in einem Regensburger Freestyle-Keller kennen lernten, dauerte es nicht lange bis sich der Heilbronner Beatschmied und „der Bayer, der auf Englisch reimt“ zum Gedankenaustausch trafen.

„Ich wusste damals gar nicht, dass Dex auch rappt“, erinnert sich Maniac, der mit DJ Rufflow die Crew Demograffics bildet. Nach „Raw Shit“ sollte ganz Rap-Deutschland wissen, dass der MPM-Produzent nicht nur hervorragende Beats schrauben kann (Arbeiten für Blumentopf, Morlockk Dilemma, Retrogott, Damion Davis oder Chima Anya (UK) sprechen für sich).

Ohne großes Konzept entstanden Anfang 2009 die ersten Tracks. Ein Release hatten die beiden nicht vor Augen. „Wir haben einfach drauf los gerappt. Hauptsache Beats sind geil, Flows sind geil. Raw shit, woast?“. Mittlerweile sind über 40 Tracks entstanden, von denen die besten ausgewählt und jetzt veröffentlicht werden. „Raw Shit“ ist kein Konzeptalbum, aber der homogene Sound der Dexter-Produktionen und die Attitude der beiden MCs knüpfen den roten Faden. Mehr noch, Dex und Ac gelingt es der Platte etwas zu geben, das man nicht planen und schon gar nicht erzwingen kann: „Raw Shit“ hat einen ureigenen Flavor, ist eine Rapplatte wie aus einem Guss. „Teilweise hat Dexter mir gleich einen Beat und seinen Text dazu gezeigt und ich habe dann sofort was dazu geschrieben, während er aufgenommen hat“.

Im Entstehungsprozess der Platte stellte sich immer deutlicher heraus, dass die beiden Wahl-Regensburger Seelenverwandte sind, was die Arbeiten vereinfachte und was man der Platte anhört. Mit Jaques Shure und Keno von Creme Fresh wurden zwei langjährige Partner und Freunde als Gastvokalisten verpflichtet, deren Beiträge sich homogen in die Platte einfügen.

Deutschrap will modern werden und sucht einen Weg in die Zukunft. „Raw Shit“ ist der lockere Gegenentwurf zweier Rapdudes, die sich über derartige Probleme keinen Gedanken machen. Verkaufszahlen, Krisen der Industrie und Kinderbeefs spielen keine Rolle. Maniac und Dexter haben kein Geld und mit Rap verbinden sie Spaß und keine Verkaufskonzepte und Promostunts. „Raw Shit“ taugt nicht für Anhänger des ewigen Gesterns, auch wenn die Produktionen knistern, klingen sie vorwärtsgewandt. „Raw Shit“ steckt voller Ideen und klingt 18 Mal nach Spaß. Wenn man die Platte hört, würde man am liebsten selbst sofort anfangen zu rappen.